Es ist ein Januskopf von einem Buch: Egal, wie herum man es wendet, es kehrt einem immer das Gesicht zu. Zweimal steht dort „Benjamin Stein: Die Leinwand”, doch darunter erscheint kursiv je ein anderer Namen, einmal ein hebräischer und einmal ein deutscher. Der Leser erhält die Empfehlung, ganz nach Belieben vorn oder vorn anzufangen, bei der Geschichte des Jan Wechsler oder aber des Amnon Zichroni – beide in Ich-Form erzählt –, ist unschlüssig, beginnt mit Zichroni – und hat den richtigen Griff getan.
Denn so sehr der Autor Benjamin Stein beide Lebensläufe ineinander verschlingt und als
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Ein Spiegelkabinett mit zwei Eingängen: Hinter beiden Buchdeckeln beginnt je eine Geschichte. Genau in der Mitte kommt es zur Konfrontation, treffen die beiden Erzähler, Amnon Zichroni und Jan Wechsler, aufeinander. Amnon Zichroni besitzt die Fähigkeit, Erinnerungen anderer Menschen nachzuerleben. Geboren in Jerusalem und streng jüdisch erzogen, studiert er in den USA und lässt sich in Zürich als Analytiker nieder. Dort begegnet er dem Geigenbauer Minsky, den er ermuntert, seine traumatische Kindheit in einem NS-Vernichtungslager schreibend zu verarbeiten. Beider Existenz steht auf dem Spiel, als der Journalist Jan Wechsler behauptet, das Minsky-Buch sei reine Fiktion ... Zehn Jahre später wird eben diesem Jan Wechsler ein Koffer zugestellt, der ihm bei einer Reise nach Israel verloren gegangen sein soll - doch Wechsler kann sich an den Koffer nicht erinnern. Auf den Spuren fragwürdig gewordener Erinnerungen reist er nach Israel und gerät in ein Verhör. Tatsächlich, stellt sich heraus, ist er schon einmal dort gewesen, und sein damaliger Gastgeber, Amnon Zichroni, gilt seither als vermisst ...
Ein faszinierender, spannender Roman über die Unzuverlässigkeit unserer Erinnerungen und das Ringen um Identität.