Rauschhaft leicht
Rezensiert von ANDREAS ZIELCKE - 20-10-2007
Alex ist ein junger außergewöhnlicher Kerl von 16 Jahren. Er kleidet sich stilsicher, ist schlau, schnell und geistesgegenwärtig, wie es ein solch begabter Bursche nur sein kann. Zu allem Überfluss ist er musikalisch und besitzt einen originellen Sprachwitz. Wirklich ein vielversprechendes Talent. Da ist nur eine Sache – Alex prügelt, vergewaltigt und mordet, wann immer ihm die Lust danach steht. Kaum dass es abends ist, zieht er mit seinen Freunden los, bestgelaunt und tatendurstig. Es könnte ein harmloses Jugendtreiben werden, doch die hässliche, dumme Welt und das schwache Geschlecht,
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"Ein junger mieser Typ, der vergewaltigt, mordet und Beethoven liebt: er ist für ewig verloren. Doch gerade ein Katholik wie Burgess weiß, eben weil ihm die Erbsünde nicht aus dem Kopf geht, wie wichtig die Freiheit zum Bösen ist - und wie man daraus einen genialen Roman macht."
Andreas Zielcke
Jeden Abend treffen sich Alex und seine "Droogs" in der Milchbar und ziehen dann, mit Drogen aufgeheizt und in ihrem Spezialjargon sprechend, durch die Nacht, eine blutige Spur von Brutalität, Schlägerei, Verwüstung und Vergewaltigung hinter sich lassend. Alex ist der schlimmste von allen, der Beethovens Musik besonders liebt, weil sie seine Gewaltlust zusätzlich anstachelt und inspiriert. Als er aber in das Haus einer Katzenliebhaberin einbricht und sie dabei im Handgemenge totschlägt, verraten ihn seine Droogs an die Polizei, und das Blatt wendet sich radikal. Alex kommt ins Gefängnis. An ihm wird dann, um ihn von seiner zügellosen Gewalttätigkeit zu heilen, ein neues Gehirnwäscheverfahren angewandt, das den wilden, bösen Alex in ein gesetzestreues angepasstes Mitglied der Gesellschaft verwandeln soll. "Freilich, Brüder, dieses Ludovico-Zeugs wirkte wie eine Impfung, und es zirkulierte nun in meinem Kroffi , und darum würde mir nun für immer und in Ewigkeit, Amen, übel werden, sobald ich irgendwas Ultrabrutales mit ansah." Tatsächlich wird der Täter zum Opfer, an dem sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis die früher Misshandelten grausam rächen. Nach einem Selbstmordversuch von Alex und einer erregten öffentlichen Debatte soll sein altes Selbst wieder hergestellt werden ...
Anthony Burgess, eigentlich John Anthony Burgess Wilson, wurde am 25. Februar 1917 in Manchester geboren. Seine Mutter und Schwester wurden Opfer der Spanischen Grippe. Eigentlich wollte Burgess Komponist werden. Als Hilfslehrer für Sprachen kam er nach Malaysia. 1959 wurde bei ihm ein vermeintlicher Gehirntumor diagnostiziert, woraufhin er in 12 Monaten fünf Romane schrieb, um noch schnell seinen Nachruhm zu sichern und seiner Frau etwas hinterlassen zu können. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich mit Fernseh- und Buchkritiken, Gutachten und dem Abfassen von Firmenchroniken. Durch seinen 1962 erschienenen Roman „Clockwork Orange“ und dessen Verfilmung 1971 durch Stanley Kubrick wurde er weltberühmt. Burgess starb am 25. November 1993 in London.