Spätestens seit Erasmus ist es eine beliebte Technik des Essayisten: Ob er sein Werk „Lob der Torheit”, „Lob der Faulheit” oder „Lob der Einsamkeit” nennt, aus der Reibung zwischen einem negativ besetzten Begriff und dem offensichtlichen Vorsatz, ihn einer Umwertung zu unterwerfen, ziehen nicht wenige Schriften ihren Reiz. Kathrin Passig und Aleks Scholz allerdings sparen es sich, ihrem Buch ein „Lob” voranzustellen; sie halten sich, auch wenn ihr Gegenstand einen denkbar schlechten Ruf genießt, von diesem Aufmerksamkeit heischenden, zugleich aber nichtssagend-schwachbrüstigen Wort
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Verirren ist eine der ältesten Fortbewegungstechniken der Menschheit. Zumindest ist sie älter als alle brauchbaren Landkarten und Reiseführer, denn bevor es die gab, müssen sich Menschen in einem Zustand befunden haben, in dem sie nicht wussten, wo sie sich befanden - die Definition des Verirrens. Dieser Zustand ist der Ursprung vieler Einsichten; manchmal stößt man dabei auf sehr fundamentale Dinge, man erinnere sich an Kolumbus, der im Rahmen einer Verirrung versehentlich Amerika entdeckte. Kathrin Passig und Aleks Scholz stellen fest: Die Entdeckung von Neuem und die damit verbundene Befriedigung der Neugier ist nur einer von zahlreichen gut erforschten Vorteilen des Verirrens. Außerdem ist im Zeitalter von Google Maps und GPS das Verirren eine ganz neue Herausforderung - geradezu das letzte Abenteuer! Nach ihrem "Lexikon des Unwissens" wagt sich das erfolgreiche Autorenduo erneut abseits ausgetretener (Gedanken-)Pfade in unbekannte Gefilde vor. Das Ergebnis ist ein brillant geschriebenes, ebenso intelligentes wie skurriles Lob der Orientierungslosigkeit - und ein schräger, kultverdächtiger "Reiseführer" der anderen Art.