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Tocotronic vs. Console

“Freiburg V 3.0”

erschienen auf dem Album

Maxisingle

Ende 1993 gründen die Hamburger Punkmusiker Jan Müller (Baßgitarre), Arne Zank (Schlagzeug) und der aus Freiburg zugezogene Gitarrist und Sänger Dirk von Lowtzow Tocotronic (benannt nach einem Gameboy-Vorläufer) und starten damit ein Pop-Phänomen nahezu britischen Ausmaßes. Die seinerzeit erstarrte Hamburger Musikszene feiert erste Konzerte der Band wie eine Offenbarung: Die eigenwilligen Frisuren, der Cordhosen-Werbe-T-Shirt-Trainingsjacken-Stil, die Höflichkeit der Ansagen werden gewürdigt und bewundert. Der Fanclub Megatronic gründet sich, noch bevor ein einziger Tocotronic-Ton auf Platte verewigt ist.
Anfang '95 erscheint das Debüt-Album "Digital ist besser" und setzt einen Meilenstein in der deutschsprachigen Indie-Pop-Geschichte. Die popintellektuelle Presse bejubelt den Ausdruck einer neuen Generation und dieses Mal sieht das auch die Generation so: Eine zweiwöchige Club-Tour trägt den Namen Tocotronic über die Stadtgrenzen Hamburgs ins Bewusstsein junger, wütender Menschen.
Mit dem dritten Album "Wir kommen um uns zu beschweren" steigen Tocotronic im Frühjahr '96 als erste Lado-Band in die deutschen Charts ein. Ermöglicht wird dieser Verkaufserfolg durch einen Vertriebsdeal mit dem Majorlabel Motor.
Für die Aufnahmen zu "Es ist egal aber" geht es erstmals raus aus Hamburg in ein westfranzösisches Kaff. Das Album markiert einen Wendepunkt: Die Texte nehmen mehr Abstand, die Musik wird differenzierter, sogar Streicher finden ihren Platz.
Danach folgt eine für Tocotronic-Verhältnisse ungewöhnlich lange Veröffentlichungspause. Geschlagene eineinhalb Jahre dauert die Arbeit an "K.O.O.K.", unterbrochen von einer kleinen US-Tour und Produzententätigkeiten für die Band Jonas. Im Juli '99 erscheint das fünfte Toco-Album, der deutlichste Bruch bis dahin. Die Songs verharren jetzt im Midtempo, entfernen sich von der klassischen Strophe-Refrain-Songstruktur, die Texte gewinnen an Abstraktion. Im folgenden Jahr geht man sogar noch einen Schritt weiter: ein Remixalbum "K.O.O.K. - Variationen" erscheint, auf welchem hauptsächlich elektronische Versionen der K.O.O.K. Stücke enthalten sind.
Das nächste "reguläre" Studioalbum lässt bis zum Juni 2002 auf sich warten. Der Titel: "Tocotronic". So nennen Bands entweder ihre Debut-Scheiben oder Meisterwerke. Die Kritiker vollführen Freudensprünge und jubeln das ausgereiften Werk in die Höhe, während die alten Fans sich endgültig von der Band verabschieden, da kein Song mit "Ich" anfängt und noch weniger rumgeheult wird als auf dem Vorgänger. Kurz nach der Veröffentlichung der Jubliäums-DVD-Box "10th Anniversary" im Dezember 2003 müssen sich die Ur-Fans der Hamburger endgültig von ihrem angestammten Band-Bild verabschieden. Der US-Amerikaner Rick McPhail, der die Band seit 2000 bei ihren Live-Auftritten an der Gitarre und am Keyboard unterstützt, wird offiziell vierter Tocotronic.

LPs: Nach der verlorenen Zeit (1995), Digital ist besser (1995), Wir kommen uns zu beschweren (1996), Es ist egal, aber (1997), K.O.O.K. (1999), K.O.O.K. Varationen (2000), Tocotronic (2002), 10th Anniversary (2003), Pure Vernunft Darf Niemals Siegen (2005)


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