Der Bahianer Caetano Emanuel Viana Telles Veloso hätte niemals gedacht, dass er, gebürtig aus einer Kleinstadt des "Recôncavo Baiano", im Lauf seines Lebens so viel Erfolg sowohl in seinem Heimatland als auch im Ausland haben, und sich zur bedeutendsten Persönlichkeit der "Música Popular Brasileira" (MPB) entwickeln würde. Geboren am 7. August 1942 in Santo Amaro da Purificacao - nur 73 Kilometer von Salvador entfernt - wusste Caetano Veloso, wie man ihn später nannte, schon als er noch klein war, was er später mal werden wollte: ein bisschen älter als vier Jahre komponierte der Bruder von Maria Bethânia schon den Song "A Tua Presenca Morena" und bewies damit seine künstlerische Begabung. Das große Vorbild war der gleichaltrige Gilberto Gil, ein begnadeter Sänger und Komponist. Gemeinsam mit Gil begründete er in der zweiten Hälfte der 60er Jahre die musikalische Tropicalia, eine Kunstrichtung, die in den bildenden Künsten und der Literatur Brasiliens bereits großen Einfluss gewonnen hatte. Das Konzept der Tropicalia ist der "künstlerische Kannibalismus" - für die Musik bedeutete dies, die althergebrachte brasilianische Volksmusik, den Samba, mit neuen Elementen aufzufrischen. Doch in einer Zeit der Repression und wachsender Angst machte man sich in Brasilien mit Rock'n'Roll, elektrischen Gitarren und mal provokanten, mal surrealistischen Texten nur wenig Freunde. Dem teilweise sehr nationalistisch eingestellten Publikum galten Veloso und Gil bald als Marionetten des US-amerikanischen Kolonialismus. Nach Zensur und Exil stieg jedoch nur der Bekanntheitsgrad im eigenen Land. Heutzutage ist Caetano Veloso einer der beliebtesten und bekanntesten Botschafter der brasilianischen Kultur und aus der Musikszene seines Landes nicht mehr wegzudenken. Die weniger bedrohliche Lebenssituation spiegelt sich in den schönen Popsongs, die er mit einer fast beängstigenden Regelmäßigkeit veröffentlicht.