Obwohl erst 1970 aus der Coverband Degalaxis und dem Theaterprojekt Hoffmanns Comic Theater gegründet, fällt ihr Name als musikalische Untermalung der 68er Studentenrevolte. Die radikalen Texte treffen das Zeitgefühl einer Generation, die kurz vor einer gewaltigen Explosion steht.
Wenn man den Sturz der Regierung fordert und nach Konzerten zur gemeinschaftlichen Hausbesetzung aufruft, ist ein Plattenvertrag unerreichbar. Den vier Gründungsmitgliedern R.P.S. Lanrue, Rio Reiser, Wolf Seidel und Kai Sichtermann blieb nichts anderes übrig, als im Sommer 1970 in einem Kreuzberger Hinterhof-Studio ihre erste Single mit den zwei Songs "Macht Kaputt Was Euch Kaputt Macht" und "Wir Streiken" selbst aufzunehmen.
Ein Jahr später sind sie dann so weit, eine komplette Platte aufzunehmen. Die Band gründet ihr eigenes Label "David Volksmund Produktion" und veröffentlicht so die Debüt-Platte "Warum Geht Es Mir So Dreckig?" auf dem ersten deutschen Indie-Label überhaupt.
Der Scherben-Slogan "Ich will nicht werden was mein Alter ist" mausert sich zur jugendlichen Ideologie. Die Straßenkämpfe sind voll im Gange. Am 8. Dezember 1971 ist es dann mal wieder an der Zeit für eine Hausbesetzung. Nach einem Konzert in der Mensa der Berliner Technischen Universität besetzen Zuschauer und Band ein Teil des leerstehenden Bethanien-Krankenhauses in Kreuzberg. Das Haus wird im Gedenken an einen vier Tage vorher im Straßenkampf von Polizisten erschossenen Studenten, Georg-Von-Rauch-Haus benannt. Das gleiche Haus wird auf der ein Jahr später erscheinenden zweiten Platte "Keine Macht Für Niemand2, die der Musikexpress dreißig Jahre später zur viertbesten deutschen Platte aller Zeiten wählt, nochmals durch den "Rauch-Haus-Song" geehrt.
Als die Jugendproteste Mitte der Siebziger langsam abflauen, beginnt die Radikalität auch aus den Texten der Scherben zu verschwinden. Nach dem "Scheitern der Revolution" werden sie zunehmend resignativer und auf dem dritten Album "Wenn Die Nacht Am Tiefsten" sucht man vergebens nach Parolen.
Erst 1980 reißen sich die Scherben wieder zusammen und arbeiten an einer neuen Platte, die 1981 erscheint. Auf "IV" ist die Revolution kein Thema mehr, und nicht wenige, die früher mit den Scherben auf einer Linie waren, stellen sich nun gegen sie. Einen neuen Verbündeten findet man aber in den "Grünen" (ab 1982 ist Claudia Roth, die spätere Bundesvorsitzende der Grünen, sogar Band-Managerin) und ihren Kumpels, den Atomkraftgegnern. Das 83er Album "Scherben" wird von den Kritikern als das kreative Ende der Band deklassiert.
Die Prophezeiung tritt dann auch prompt ein: auf einer Wahlkampfveranstaltung der Grünen am 6. März 1985 spielen Ton Steine Scherben ihr letztes Konzert.
LPs: Warum Geht Es Mir So Dreckig? (1971), Wenn Die Nacht Am Tiefsten (1975), Ton Steine Scherben IV (1981), Scherben (1983), Live In Berlin (1984)
http://www.tonsteinescherben.de
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